Zwischen Wetterwechsel, Weitblick und ersten echten Herausforderungen
Der zweite Tag auf dem West Highland Way begann deutlich wechselhafter als der erste. Der Körper war inzwischen im Gehen angekommen, dafür zeigte sich das schottische Wetter von seiner unbeständigen Seite. Regen, Wind, Sonne – alles dabei. Und auch der Weg wurde spürbar anspruchsvoller.
Etappe 2 – Fakten auf einen Blick
Start: Drymen Camping
Ziel: Lochan Maoil Dhuinne (Camping Permit Zone am Loch Lomond)
Distanz: 24,8 km
Höhenmeter: 680m↑ / 720m↓
Gehzeit: ca. 6:30 Stunden (ohne längere Pausen)
Schwierigkeit: moderat bis anspruchsvoll
Markierung: sehr gut
Diese Etappe ist deutlich länger als die erste und fordert – besonders bei schlechtem Wetter – sowohl Kondition als auch Konzentration.
Wetter: von allem etwas
Das Wetter war an diesem Tag leider nicht besonders gnädig. Immer wieder zogen kräftige Regenschauer durch, teils begleitet von Wind. Zwischendurch kam jedoch auch immer wieder die Sonne heraus und dann wurde es sofort überraschend warm. Diese schnellen Wechsel machten den Tag anstrengend, Regenjacke an, Regenjacke aus – immer wieder neu anpassen.
Gerade auf einer langen Etappe wie dieser merkt man, wie viele Energie solche Bedingungen kosten.
Die Entscheidung: Conic Hill oder Balmaha direkt?
Nach etwa dem ersten Drittel der Strecke steht man vor einer Wahl:
Entweder man bleibt auf dem einfacheren Weg direkt nach Balmaha – oder man nimmt den deutlich anspruchsvolleren Anstieg über den Conic Hill.
Ich habe mich für den Weg über den Conic Hill entschieden, weil es zu diesem Zeitpunkt noch sonnig und recht windstill war.

Die Bedingungen wirkten gut und so war ich guter Dinge.
Der Aufstieg ist schweißtreibend, aber bei klarer Sicht wird man mit einem wunderschönen Blick über den Loch Lomond belohnt. Oben quert man außerdem die symbolische Grenze zwischen Lowlands und den Highlands – ein kleiner aber besonderer Moment.
Leider drehte das Wetter kurz nach dem Gipfel. Der Wind nahm deutlich zu und es begann kräftig zu regnen. Aus einem gut machbaren Abstieg wurde plötzlich eine recht anspruchsvolle Passage.
Abstieg vom Conic Hill: Konzentration statt Genuss
Der Abstieg vom Conic Hill ist nicht zu unterschätzen: steil, steinig und stellenweise rutschig. Mit Sturm und Regen wurde er zusätzlich fordernd. Nasser Untergrund, Böen und müde Beine forderten volle Konzentration und ein bewusst langsames Tempo.
Hier wurde mir klar, dass der West Highland Way kein reiner Genussweg ist. Gerade bei schlechtem Wetter sollte man sich Zeit nehmen und nichts erzwingen.
Kurzer Stopp in Balmaha
In Balmaha angekommen, merkt man schnell, dass der Ort ein beliebtes Ziel ist. Es gibt ein nettes Café, ein Restaurant und einen kleinen Dorfladen, in dem man sich mit Snacks und Getränken versorgen kann.
Ich habe mich dort allerdings nicht lange aufgehalten. Balmaha scheint ein Ort zu sein, der gerne von Reisebussen und größeren Touristengruppen angesteuert wird – und genau zu dem Zeitpunkt, als ich ankam, machten sich mehrere Gruppen gerade auf den Weg. Nach dem eher ruhigen Gehen über den Conic Hill war mir das zu viel Trubel.
Ich habe mir daher im kleinen Dorfladen nur eine Kleinigkeit fürs Mittagessen geholt und bin dann noch ein Stück weiter gelaufen. Etwas außerhalb von Balmaha mit Blick auf den Loch Lomond, habe ich eine Pause eingelegt – deutlich ruhiger und genau richtig für diesen Tag.
Wasser & Versorgung entlang des Loch Lomond
Ein paar Kilometer hinter Balmaha kommt man am Cashel Campingplatz vorbei. Der bewirtschaftete Platz liegt direkt am Ufer des Sees: Hier kann man nochmals Snacks kaufen und Wasser auffüllen. Das lohnt sich, denn danach folgt ein längeres Wegstück mit nur noch wenigen Versorgungsmöglichkeiten.
Zwar kann man an der Sallochy Campsite noch einmal sein Wasser auffüllen, danach kommt jedoch tatsächlich bis Rowardennan keine weitere Möglichkeit mehr, Trinkwasser aufzufüllen.
Wichtig zu wissen: Es wird von offizieller Stelle dringend davon abgeraten, Wasser direkt aus dem See oder dem See zufließenden Gewässern zu trinken – selbst dann, wenn es vorher gefiltert wird. Sowohl im letzten als auch in diesem Jahr (2026) kam bzw kommt es vermehrt zu Fällen von Übelkeit und Erbrechen bei Wanderern die ihr Wasser direkt aus diesen Gewässern entnommen haben. Für mich ein klarer Grund meine Wasserversorgung sehr bewusst zu planen.
Übernachten am Loch Lomond: Camping Management Zone
Entlang des Loch Lomond befindet man sich in einer sogenannten Camping Management Zone. Das bedeutet, dass wildes Campen von Anfang März bis Ende September nicht erlauft ist.
Übernachten darf man hier nur:
- auf offiziellen Campingplätzen
- oder mit einem gültigen Permit in einer ausgewiesenen Camping Permit Zone
Die Permits werden können über die Homepage des Loch Lomond & The Trossachs National Park maximal 4 Wochen im Voraus gebucht werden. Da es pro Nacht nur wenige Permits gibt, empfiehlt es sich diese möglichst bald zu buchen.
Der von mir genutzte Camping Permit Platz Lochan Maoil Dhuinne ist direkt vom West Highland Way aus erreichbar. Man muss lediglich etwa 200 Meter relativ steil vom Weg absteigen, dann erreicht man das Gelände.
Der Platz liegt wunderschön direkt um See und bietet zwei sehr schöne kleine Strände, an denen man sein Zelt normalerweise perfekt aufstellen kann.
Als ich dort ankam, war es allerdings extrem windig und regnerisch. Ein Aufbau direkt am Strand kam für mich daher nicht infrage. Stattdessen habe ich mein Zelt etwas weiter im Wald zwischen den Bäumen aufgebaut. Das gestaltete sich zunächst etwas schwierig, da überall sehr viele Wurzeln waren. Am Ende habe ich jedoch ein sehr schönes, geschütztes Plätzchen gefunden – und war in dieser Nacht sogar ganz alleine auf dem Gelände.
Persönliches Fazit zur zweiten Etappe
Etappe 2 war deutlich fordernder als der erste Tag: länger, wetterbedingt anstrengender und mit technisch anspruchsvolleren Passagen. Die Entscheidung für den Conic Hill habe ich trotz Sturm und Regen nicht bereut – auch wenn der Abstieg volle Konzentration verlangt hat.