Der West Highland Way war für mich nicht einfach nur ein Fernwanderweg.
Er war ein lang gehegter Traum, ein persönlicher Schritt ins Unbekannte – und gleichzeitig der Versuch herauszufinden, wie sich so ein Abendteuer realistisch, bezahlbar und ohne Leistungsdruck umsetzen lässt.
In diesem Übersichtsartikel möchte ich dir gerne zeigen,
- wie ich angereist bin
- welche Grunddaten der Weg mitbringt
- und wie ich meine Etappen geplant habe.
Zu jeder einzelnen Etappe wird es eigene Beiträge geben, in denen ich genauer auf Weg, Wetter, Eindrücke und Herausforderungen eingehe.
Die Anreise – flexibel von Anfang an
Eigentlich wollte ich ganz entspannt von Stuttgart nach Edinburgh fliegen. Am Abend vor meiner Abreise kam dann allerdings die Nachricht, dass mein Flug aufgrund eines Pilotenstreiks kurzfristig gecancelt wurde.
Was darauf folgte, war deutlich weniger entspannt. Ich habe stundenlang das Internet nach Alternativflügen durchforstet – mit dem ernüchternden Ergebnis, dass praktisch alle Eurowings- und Lufthansaflüge von Deutschland aus gestrichen worden waren.
Die Hotline der Fluggesellschaft war mir leider keine Hilfe, auch nach mehreren Stunden Wartezeit war kein Durchkommen.
Nach langem Suchen habe ich dann eher zufällig eine Alternative gefunden: ein Flug mit Edelweiß von Zürich nach Edinburgh am kommenden Abend. Ich konnte zum Glück noch eines der letzten Tickets ergattern und bin dann auf diesem Weg nach Edinburgh gekommen.
Rückblickend war das zwar kein idealer Start, aber eine sehr passende Einstimmung auf das, was Fernwandern oft bedeutet: flexibel bleiben, Lösungen finden und akzeptieren, dass nicht alles planbar ist.
Von Edinburgh ging es anschließend ganz entspannt mit dem Zug weiter nach Glasgow.
So war ich wie geplant am späten Abend vor Ort und musste am nächsten Morgen nur noch ein kleines Stück zum Startpunkt nach Milngavie fahren.
Der West Highland Way – kurz & knapp
Der West Highland Way ist einer der bekanntesten Fernwanderwege Schottlands – und das zu völlig Recht.
- Länge: ca 154 Kilometer
- ↗ 2.750m ↘2.790m
- Start: Milngavie (ca 30 Minuten Zugfahrt von Glasgow entfernt)
- Ziel: Fort William
Der Weg führt von den sanften Hügeln nahe Glasgow immer weiter hinein in die schottischen Highlands – landschaftlich abwechslungsreich, gut erschlossen und dennoch wild genug, um ein echtes Fernwandergefühl aufkommen zu lassen.
Orientierung unterwegs – meistens gut
Die Wegmarkierung auf dem West Highland Way ist insgesamt sehr gut und klar erkennbar. Nur in wenigen Ausnahmen kann es etwas unübersichtlich werden.
Trotzdem würde ich jedem empfehlen, zusätzlich eine Karte oder ein anderes Navigationsmittel dabei zu haben, sei es als App oder klassisch in Papierform.
Nicht, weil man sich ständig verläuft, sondern weil es Sicherheit gibt – gerade bei schlechter Sicht, Regen oder wen man mental müde wird.
Für mich gehört eine gute Navigation einfach zu einer entspannten Planung dazu.
Mein Etappenkonzept – realistisch statt ehrgeizig
Ich habe den West Highland Way für mich in neun Etappen aufgeteilt, wobei die „letzte“ Etappe nur knapp 6 km hatte, so dass ich entspannt den 11 Uhr Zug in Richtung Glasgow nehmen konnte.
Mir war bei der Planung besonders wichtig,
- die Etappen nicht zu lange zu wählen
- genug Zeit für Pausen, Wetter und Tagesform zu haben
- und mich nicht jeden Tag an meine körperlichen Grenzen bringen zu müssen.
Ich habe im Vorfeld nicht extra für den West Highland Way trainiert und wollte mir bewusst den Druck herausnehmen. Lieber etwas kürzere Etappen und abends noch Energie haben, als mich von einem fixen Kilometerziel treiben zu lassen.
Die konkrete Etappenplanung habe ich mit Komoot durchgeführt – immer mit Blick auf:
- Höhenmeter
- mögliche Übernachtungsplätze
- und realistische Tagesdistanzen
Übernachten – Struktur schafft Ruhe
Auch wenn ich ursprünglich mit viel Wildcampen geliebäugelt habe, habe ich mich letztlich für feste Campingplätze entschieden. Gerade bei dem für Schottland typischen Aprilwetter war das für mich die deutlich entspanntere Lösung.
Zu wissen,
- wie lang die Etappe ist
- wo ich abends ankomme
- und dass es einen festen Platz zum Ankommen gibt
hat mir unterwegs sehr viel mentale Ruhe gegeben – und genau das wollte ich mir auf meiner ersten Mehrtageswanderung bewahren.
Kurzes Fazit zur Etappenplanung
Rückblickend bin ich sehr froh über meine eher vorsichtige Etappenplanung. Gerade auf den anspruchsvolleren Abschnitten entlang des Loch Lomond hab ich die Tagesdistanzen bewusst relativ kurz gehalten.
Das Gelände ist dort technisch deutlich fordernder, der Weg oft schmal, steinig und langsam zu gehen, besonders bei Regen. Die kürzeren Etappen haben mir ermöglicht, konzentriert unterwegs zu sein, Pausen zu machen und trotzdem entspannt am Ziel anzukommen.
Für mich war das ein wichtiger Teil meines Konzepts: Nicht möglichst viele Kilometer zu sammeln, sondern die Strecke bewusst zu erleben – ohne mich jeden Tag neu beweisen zu müssen.