13 Kilometer – Dauerregen und technisch anspruchsvoll
Der Morgen begann grau und nass im Inversnaid Bunkhouse. Es regnete bereits beim Losgehen – und sollte an diesem Tag auch nicht mehr aufhören. Die vierte Etappe des West Highland Way habe ich mit rund dreizehn Kilometern zwar vergleichsweise kurz gewählt, für mich war sie aber mit Abstand die schwierigste Etappe der gesamten Wanderung.
Etappe 4 – Fakten auf einen Blick
Start: Inversnaid Bunkhouse
Ziel: Beinglas Campsite
Distanz: 13,1 km
Höhenmeter: ca 210 m ↑ / 320 m ↓
Gehzeit: ca. 4–5 Stunden
Untergrund: schmale Pfade, Felsen, steinige und teils sehr steile Uferwege (bei Regen sehr rutschig!)
Schwierigkeit: besonders bei Regen recht anspruchsvoll
Markierung: gut, Aufmerksamkeit erforderlich
Navigation: gut
Schmale Pfade, rutschige Steine und viel Wasser
Die ersten zwei Drittel des Weges führen über sehr schmale Pfade, die sich ständig auf und ab durch den Wald und entlang des Loch Lomond ziehen. Schon bei trockenem Wetter erfordern diese Wege Aufmerksamkeit – bei Dauerregen und nach mehreren Regentagen davor werden sie richtig anspruchsvoll.
Immer wieder mussten ich größere Bäche überqueren, die durch den vielen Regen deutlich mehr Wasser führten als üblich. Steine waren glitschig, Wurzeln verdeckt, der Boden aufgeweicht. Jeder Schritt wollte bewusst gesetzt sein, und mein Tempo wurde automatisch langsamer.
Es war einer dieser Tage, an denen man weniger vorankommt, obwohl die Strecke eigentlich kurz ist – einfach, weil die Bedingungen volle Konzentration verlangen.
Kaum Infrastruktur unterwegs
Gerade auf dieser Etappe ist es wichtig, genug Wasser und Verpflegung mitzunehmen. Zwischen Inversnaid und der Beinglas Campsite gibt es keine Möglichkeit, Wasser aufzufüllen oder Vorräte zu kaufen. Man ist hier wirklich in einem sehr zivilisationsarmen Gebiet unterwegs, ohne Cafés, Shops oder bewirtschaftete Plätze am Weg.
Abschied vom Loch Lomond – Ankommen in den Highlands
So fordernd dieser Abschnitt auch war: Entschädigt für das schlechte Wetter wurde ich spätestens dann, als ich den Loch Lomond hinter mir gelassen habe. Ab diesem Punkt öffnet sich die Landschaft, wird weiter, rauer und ursprünglicher.
Hier beginnt sie, diese typische Highland-Landschaft, für die Schottland so berühmt ist – weite Täler, offene Flächen, dramische Hänge. Ab da hat mir die Landschaft wirklich richtig gut gefallen und das Wandern fühlte sich wieder leichter an, trotz des Regens.
Ankommen auf der Beinglas Campsite
Als ich am Abend völlig durchnässt auf der Beinglas Campsite ankam, war ich klatschnass – von den Schuhen bis zur letzten Schicht Kleidung.
Die Campsite bietet zwar keinen öffentlich zugänglichen Trockenraum, hat aber eine sehr hilfreiche Lösung: Schuhe und Regenjacke können kostenlos an der Rezeption abgegeben werden. Man erhält dafür einen Chip und kann die Sachen am nächsten Morgen ab sieben Uhr wieder abholen.
Ich war ehrlich gesagt skeptisch, denn meine Schuhe waren komplett durchnässt – umso größer war die Überraschung, als ich sie am nächsten Morgen wirklich trocken wiederbekam.
Zusätzlich gibt es auf der Campsite eine Waschmaschine und einen Trockner. Für den Trockner kann man an der Rezeption Münzen kaufen, und so habe ich dort auch meine restliche Kleidung wieder trocken bekommen – ein echter Segen nach so einem Tag.
Duschen, Handtuch & Infrastruktur
Eine weitere sehr praktische Möglichkeit ist es, sich auf der Campsite ein Handtuch zu leihen. So muss man beim Duschen nicht das eigene Handtuch verwenden und muss sich über das Trocknen bei Nasskalten Bedingungen keine Gedanken machen. Ich habe dieses Angebot angenommen und fand das absolut sinnvoll.
Außerdem gibt es einen kleinen Campingshop, in dem man allerlei Nützliches für Zelt und Ausrüstung bekommt. Auch kleine Snacks und Getränke werden dort zu fairen Preisen angeboten – perfekt, wenn man nicht mehr viel Energie hat.
Pub & Campers Kitchen
Zur Beinglas Campsite gehört außerdem ein Pub, in dem man sowohl Abendessen als auch Frühstück bekommen kann.
Zusätzlich gibt es eine Campers Kitchen, die gut ausgestattet ist, mit Tischen und einer Küchenzeile. Leider waren – wie auf vielen Stationen entlang des West Highland Way – Steckdosen zum Laden von Handy oder Powerbank Mangelware. In diesem Moment war ich sehr froh, meine eigene gute Powerbank dabeizuhaben.
Persönliches Fazit zu Etappe 4
Diese Etappe hat mir deutlich gezeigt, dass der West Highland Way nicht nur landschaftlich schön, sondern stellenweise auch technisch sehr fordernd ist – besonders bei schlechtem Wetter.
Gleichzeitig markiert sie für mich den Übergang zu genau der Landschaft, die ich mir von den schottischen Highlands erhofft hatte. Auch wenn es ein harter, nasser Tag war: landschaftlich war es der Beginn eines neuen Kapitels auf dem Weg.