Ca. 20 Kilometer | Dauerregen, Highland-Landschaft und eine kluge Planänderung
Nach der technisch anspruchsvollen Etappe entlang des Loch Lomond wartete am fünften Tag eine landschaftlich ganz andere Strecke auf mich. Von der Beinglas Farm ging es auf knapp 20 Kilometern bis nach Tyndrum.
Leider begann der Tag genauso, wie der vorherige aufgehört hatte: mit Dauerregen.
Etappe 4 – Fakten auf einen Blick
Start: Beinglas Farm
Ziel: Tyndrum
Distanz: 19,4 km
Höhenmeter: 540 m ↑ / 360 m ↓
Gehzeit: etwa 6 Stunden
Schwierigkeit: leicht bis mittelschwer
Untergrund: Breite Wanderwege, Schotterwege und Wiesenpfade
Nach den technisch schwierigen Uferwegen am Loch Lomond wirkt diese Etappe deutlich entspannter. Die Wege sind wieder breiter und einfacher zu laufen. Die größte Herausforderung war an diesem Tag eindeutig das Wetter.
Ein nasser Start in den Tag

Schon in der Nacht hatte es kräftig geregnet und auch am Morgen war keine Wetterbesserung in Sicht.
Ich startete im Dauerregen und musste mich darauf einstellen, dass heute vermutlich alles nass werden würde. Nach mehreren Regentagen hatte sich die Feuchtigkeit längst in meiner gesamten Ausrüstung festgesetzt. Mein Zelt war komplett nass, der Schlafsack inzwischen leicht klamm und auch die Kleidung hatte kaum noch Gelegenheit gehabt, richtig zu trocknen.
Trotzdem fühlte sich diese Etappe deutlich entspannter an als die vorherige. Die Wege waren wesentlich angenehmer zu gehen und ich konnte mich wieder mehr auf die Landschaft konzentrieren als auf jeden einzelnen Schritt.
Ein Stück schottische Geschichte
Etwa nach zwei Dritteln der Strecke kommt man an einem kleinen Loch vorbei, um den sich eine spannende schottische Legende rankt.
Der Überlieferung nach soll William Wallace nach der verlorenen Battle of Dalrigh sein Schwert in diesem kleinen See versenkt haben, damit es nicht in die Hände seiner Feinde fiel.

Ob diese Geschichte tatsächlich stimmt, lässt sich heute natürlich nicht mehr sagen. Ich finde aber genau solche Geschichten machen den West Highland Way so besonders. Man wandert nicht nur durch wunderschöne Landschaften, sondern begegnet unterwegs immer wieder Orten, an denen Geschichte und Legenden lebendig werden.
Tyndrum – endlich wieder Versorgungsmöglichkeiten
Mit Tyndrum erreicht man den ersten größeren Ort seit dem Start des West Highland Way in Milngavie. Nach mehreren Tagen mit nur wenigen Einkaufsmöglichkeiten fühlt sich das fast schon wie eine kleine Rückkehr in die Zivilisation an.
Für Fernwandernde ist Tyndrum ein idealer Ort, um die Vorräte wieder aufzufüllen. Es gibt zwei Supermärkte, in denen man Lebensmittel, Snacks und Getränke kaufen kann. Außerdem kann man im Green Welly Shop auch fehlende oder kaputtgegangene Ausrüstung ersetzen.
Ich würde jedem empfehlen, diese Gelegenheit zu nutzen. Hinter Tyndrum werden Einkaufsmöglichkeiten wieder deutlich seltener.
Ein echtes Highlight war für mich außerdem das Fish-and-Chips-Restaurant im Ort. Nach mehreren Tagen auf dem Trail hat die Portion Fish and Chips einfach besonders gut geschmeckt und war für mich eines der besten Essen der gesamten Wanderung.
Eine spontane Planänderung
Eigentlich hatte ich geplant, in Tyndrum auf dem Campingplatz am Ortseingang zu zelten.
Schon ein Blick auf die Wetter App am Morgen zeigte mir aber, dass für den ganzen Tag Regen vorhergesagt war und meine komplette Ausrüstung war inzwischen feucht oder sogar nass.
Deshalb buchte ich noch morgens spontan über mein Handy eine kleine Campinghütte (Pod) auf dem By the Way Campingplatz in Tyndrum.
Rückblickend war das eine der besten Entscheidungen der gesamten Tour.
Eine trockene Nacht
Als ich schließlich in Tyndrum ankam, war ich froh, nicht auch noch mein nasses Zelt aufbauen zu müssen.
Die kleine Campinghütte bot genau das, was ich in diesem Moment brauchte: ein trockenes Dach über dem Kopf, genügend Platz, um meine Ausrüstung auszubreiten, die Möglichkeit, meine Powerbanks wieder vollständig aufzuladen, und vor allem die Sicherheit, dass Schlafsack und Kleidung endlich einmal richtig trocknen konnten.
Nach mehreren Tagen mit Regen war diese eine Nacht unbezahlbar. Am nächsten Morgen konnte ich mit deutlich trockenerer Ausrüstung und neuer Motivation weiterwandern.
Persönliches Fazit zu Etappe 5
Diese Etappe hat mir einmal mehr gezeigt, wie wichtig es auf einer Fernwanderung ist, flexibel zu bleiben. Manchmal ist es sinnvoller, den ursprünglichen Plan anzupassen, als stur daran festzuhalten.
Die Entscheidung, spontan eine Campinghütte zu buchen, war für mich kein Luxus, sondern eine Investition in die kommenden Wandertage.
Nicht jede Etappe bleibt wegen spektakulärer Aussichten in Erinnerung – manche bleiben es, weil sie einem zeigen, wie wichtig gute Entscheidungen unterwegs sein können.