Meine Ausrüstung für den West Highland Way – günstig, durchdacht und absolut ausreichend

Wer sich mit dem Fernwandern beschäftigt, stolpert früher oder später über das Thema ultraleicht. Weniger Gewicht, weniger Belastung, mehr Kilometer – so zumindest die Theorie. Auch ich habe mich im Vorfeld intensiv mit Packlisten, Gewichtsangaben und Materialvergleichen beschäftigt. Am Ende bin ich aber ganz bewusst nicht ultraleicht, sondern mit einer soliden, bezahlbaren und für mich funktionierenden Ausrüstung auf den West Highland Way gestartet.

Bewusst keine komplette Neuanschaffung

Ein großer Teil meiner Ausrüstung war bereits vorhanden – und ich wollte diese Dinge bewusst weiterverwenden. Nicht alles muss immer neu, teuer oder „state of the art“ sein. Vieles hatte sich bereits auf früheren Touren bewährt, und ich sehe es als nachhaltig und sinnvoll an, funktionierende Dinge weiter zu verwenden.

Dort, wo ich neu kaufen musste, habe ich gezielt auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis geachtet und mich oft für die günstigeren Alternativen entschieden. Nicht alles, was günstiger ist, taugt nichts. Für meine Anforderungen hat diese Strategie sehr gut funktioniert.

Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand: der Rucksack

Wenn ich einen Punkt besonders hervorheben müsste, dann wäre das ganz klar der Rucksack. Natürlich habe ich das Gewicht meines Rucksacks gespürt. Gerade an längeren Tagen oder bei Anstiegen wurde mir bewusst, dass ich nicht ultraleicht unterwegs bin. Für mich ist beim Rucksack aber nicht entscheidend, ob er ein paar hundert Gramm mehr oder weniger wiegt, sondern dass er:

  • groß genug ist um die Ausrüstung stressfrei darin zu verstauen,
  • gut sitzt,
  • und sich vor allem an meine Körperform anpassen lässt.

Eines habe ich bereist aus früheren Wochenendtouren gelernt: Ein schlecht sitzender Rucksack macht das Wandern selbst bei der leichtesten Ausrüstung zur Qual. Mein Rucksack war vielleicht kein Leichtgewicht, aber er lässt sich gut tragen und nichts hat gescheuert oder gedrückt – und das ist an langen Tagen Gold wert.

Drybags -eine der besten Entscheidungen überhaupt

Was sich extrem bewährt hat, war die Entscheidung, meine Ausrüstung in mehrere Drybags zu packen. Jeder Bereich hatte seinen eigenen Sack: Kleidung, Schlafsystem, Hygieneartikel und Elektronik.

Das hatte zwei große Vorteile:

  • Ich hatte alles schnell zur Hand.
  • Und vor allem: Alles blieb trocken.

Ich habe unterwegs einige Wanderer getroffen, die ihre komplette Ausrüstung nur in einem Plastiksack im Rucksack hatten. Nach einem besonders nassen Tag war dann leider auch alles nass – Schlafsack, Kleidung, einfach alles. Eine Situation, die ich mir auf keinen Fall vorstellen wollte.

Eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe: mein warmer Schlafsack

Rückblickend bin ich sehr froh, dass ich mich kurz vor der Abreise noch für meinen Daunenschlafsack mit einem Komfortbereich bis -4°C entschieden habe. Mitte April kann es in Schottland nachts noch richtig kalt, feucht und windig sein – und genau so war es auch.

Abends in einen warmen Schlafsack zu schlüpfen, während draußen der Regen aufs Zelt prasselt, ist unbezahlbar. Diese Entscheidung hat maßgeblich zu erholsamen Nächten beigetragen.

Gewicht sparen – aber bitte nicht an der falschen Stelle

Ein Fehler, den ich gemacht habe – und aus dem ich definitiv gelernt habe – war ausgerechnet bei den Zeltheringen Gewicht sparen zu wollen. Ich habe nur das absolute Minimum mitgenommen.

In der Theorie klang das sinnvoll. In der Praxis, in einem Land wie Schottland, dass oft nass und windig ist, war das keine gute Idee. Ich konnte mein Zelt abends mit den fehlenden Heringen nicht richtig abspannen und musste erst große Steine suchen um die Abspannleinen überhaupt halbwegs stabil zu fixieren.

Das würde ich beim nächsten Mal definitiv anders machen.

Mein heimlicher Star: die SIGG Flasche

Mit einem kleinen Schmunzeln kann ich sagen: Mein absolut bester Ausrüstungsgegenstand war meine SIGG Flasche.

An kalten Abenden habe ich heißes Wasser eingefüllt und sie als Wärmflasche mit in den Schlafsack genommen – ein Traum.
Und sie konnte noch mehr. Mit heißem Wasser gefüllt hat sie mir geholfen, meine Wandersocken zu trocknen – improvisiert, aber erstaunlich effektiv.

Kein Hightech, kein Spezialprodukt – aber unglaublich nützlich.

Regen, Kälte und Verlässlichkeit

Auf dem West Highland Way war ich viel im Regen unterwegs. In genau diesen Momenten war ich froh über meine Ausrüstung die nicht besonders leicht, aber robust und verlässlich war.

Mein Zelt war nicht das leichteste – aber stabil. Meine Regenkleidung hat nicht alles trocken gehalten – aber genug. Gerade bei Dauerregen habe ich gemerkt: Verlässlichkeit schlägt Leichtigkeit.

Was sich bewährt hat

Rückblickend haben sich vor allem diese Dinge bewährt:

  • vorhandene Ausrüstung weiter zu nutzen
  • alles wasserdicht und sinnvoll zu organisieren
  • Komfort bei Kälte und Nässe erst zu nehmen
  • an den richtigen Stellen nicht am falschen Ende zu sparen

Ich hatte nie das Gefühl, dass meine Ausrüstung mich eingeschränkt hat. Im Gegenteil: Sie hat mir Sicherheit gegeben.

Meine wichtige Erkenntnis

Fernwandern ist kein Ausrüstungswettbewerb. Es geht nicht darum, mit möglichst wenig Gewicht unterwegs zu sein – sondern mit dem was für einen selbst funktioniert. Man darf mit dem starten, was man hat. Man darf lernen, nachjustieren und lachen, wenn aus der Trinkflasche plötzlich eine Wärmflasche wird.

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