Kurz auf dem Papier, fordernd auf dem Weg
Nach dem langen und wetterreichen zweiten Tag fühlte sich die dritte Etappe mit ihren knapp 16 Kilometern zunächst fast schon entspannt an. Doch schnell wurde mir klar: Ab hier misst sich der West Highland Way nicht mehr nur in Kilometern.
Etappe 3 – Fakten auf einen Blick
Start: Lochan Maoil Dhuinne
Ziel: Inversnaid Bunkhouse
Distanz: 15,7 km
Höhenmeter: ca 320 m ↑ / 220 m ↓
Gehzeit: ca. 4–5 Stunden
Untergrund: schmale Pfade, Wurzeln, Felsen, Uferwege (bei Regen sehr rutschig!)
Schwierigkeit: moderat bis anspruchsvoll
Markierung: gut, Aufmerksamkeit erforderlich
Navigation: gut
Auch wenn die Strecke kürzer ist, sollte man sie keinesfalls unterschätzen.
Start in den Tag: ruhig, aber konzentriert
Ich habe morgens die erste Regenpause genutzt um mein Zelt abzubauen und bin dann direkt nach dem Frühstück von meinem Zeltplatz in der Camping Permit Zone gestartet.
Der Morgen war ruhig, das Wetter noch relativ freundlich und der Ausblick auf den Loch Lomond einfach nur atemberaubend. Nach der windigen Nacht war ich froh, dass diese Etappe kürzer geplant war – nicht, weil sie einfacher sein würde, sondern weil sie Konzentration verlangte.
Mehr Höhenmeter, mehr Aufmerksamkeit
Im Vergleich zu den ersten beiden Tagen kamen auf dieser Etappe spürbar mehr Höhenmeter zusammen. Der Weg beginnt harmlos und führt immer wieder weg vom Ufer, steigt an und fällt erneut ab. Nichts davon ist extrem – aber es ist ein ständiges Auf und Ab, das Kraft kostet.
Die letzten rund fünf Kilometer dieser Etappe haben es in sich. Der Weg führt direkt am See entlang – landschaftlich wunderschön, aber technisch anspruchsvoll. Schmale Pfade, rutschige Felsen, feuchte Steine und Wurzeln wechseln sich ab.
Gerade bei nassem Wetter ist hier volle Aufmerksamkeit gefragt. Es ist kein Abschnitt, den man „nebenbei“ läuft. Jeder Schritt will bewusst gesetzt werden, und für mich war klar: Hier zählt nicht Tempo, sondern Sicherheit.
Rückblickend bin ich sehr froh, dass ich mir für diese Passage Zeit gelassen habe.
Ankommen in Inversnaid
Das Inversnaid Bunkhouse liegt etwas oberhalb des Weges und fühlt sich nach den anspruchsvollen letzten Kilometern wie ein echter Ankunftsort an. Nachdem sich das Wetter auf den letzten Kilometern von seiner unfreundlichen Seite gezeigt hat war ich wirklich froh angekommen zu sein.
Inversnaid selbst ist klein, ruhig und weit weg von Trubel. Außer ein paar Häusern und einem Hotel gibt es hier nicht viel. Genau der richtige Ort nach einem Tag, der weniger durch Länge, sondern durch Wegbeschaffenheit gefordert hat.
Warten auf den Check-in: Walkers Bar im Inversnaid Hotel
Da ich an diesem Tag recht früh am Etappenziel angekommen bin und der Check-in im Inversnaid Bunkhouse ist erst ab 15 Uhr möglich war, hatte ich noch etwas Zeit zu überbrücken.
Ich bin deshalb noch in Walkers Bar im Inversnaid Hotel gegangen. Dort gibt es einen kleinen Vorraum, in dem man Schuhe und Rucksack abstellen muss, bevor man den Barbereich betritt. Drinnen kann man sich Getränke und kleine Snacks holen – auch warme Getränke, was bei dem Wetter genau das Richtige war.
Ich habe mir eine heiße Schokolade gegönnt und war ehrlich überrascht, wie günstig sie war: 1,50 £ für etwas Wärme und Ruhe fühlten sich nach diesem Wandertag fast luxuriös an.
Übernachtung im Inversnaid Bunkhouse
Im Inversnaid Bunkhouse wurde ich sehr freundlich empfangen. Besonders positiv in Erinnerung geblieben sind mir die Duschen – für mich ganz klar die besten auf dem gesamten West Highland Way. Nach mehreren nassen Tagen war das ein echter Genuss.
Beim Check-in kann man sich direkt für den Abend einen Tisch reservieren. Das Abendessen war sehr lecker und hatte ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, ein Lunchpaket für den nächsten Tag zu bestellen oder dort auch zu frühstücken – beides sehr praktisch, gerade weil die nächste Etappe wieder anspruchsvoll ist.
Persönliches Fazit zu Etappe 3
Etappe 3 war für mich ein gutes Beispiel dafür, dass kurze Etappen nicht automatisch einfache Etappen sind. Die zusätzlichen Höhenmeter und vor allem die letzten Kilometer am Loch Lomond haben Konzentration und Geduld verlangt.
Umso schöner war es, diesen Tag an einem Ort zu beenden, der genau das bietet, was man nach so einer Etappe braucht: Wärme, gutes Essen und eine richtig gute Dusche.